
Ohne Titel von Kirill Schröder
Jahresausstellung 2008
Unsere Idee eines Vorstudienjahres
Vor 100 Jahren wurden Kunsteleven in den Ateliers von Malern, Bildhauern oder in kleineren Instituten emeritierter Akademieprofessoren mit Übungen in den klassischen künstlerischen und kunsthandwerklichen Disziplinen für die Aufnahme an einer Kunstakademie oder Kunstgewerbeschule vorbereitet. Diese Methodik wurde später von den sogenannten Mappenschulen im Prinzip übernommen. Der Stil der jeweiligen Mappenschule prägte die Arbeiten der Studenten.
Doch diese Art serieller Bewerbungsmappen wurden in den letzten Jahrzehnten von den Hochschulen für Gestaltung bei ihren Bewerbern immer kritischer gesehen. Digitalisierung, Spezialisierung und Globalisierung schufen unzählige neue Berufsbilder und folglich Studiengänge. Die Anforderungen an die Hochschulen und somit deren Erwartung an ihre Studienbewerber haben sich grundsätzlich verändert.
Hinzu kommt das (durch G8 verschärfte) von den Hochschulen bei vielen Studienanfängern konstatierte Problem der mangelnden „Studierfähigkeit“ (persönliche Reife).
Um auf diese Herausforderungen entsprechend zu reagieren, haben wir 2002 ein Vorstudien- und Orientierungsjahr als zeitgemässes Bindeglied zwischen Schule und Gestaltungsstudium konzipiert und laufend weiterentwickelt. Es wird sowohl den Bedürfnissen der Studienbewerber als auch den Anforderungen der Hochschulen gerecht. Das Vorstudienjahr gründet auf einer thematisch breitgefächerten soliden Ausbildung in Theorie und Praxis in den verschiedenen gestalterischen Disziplinen, ergänzt durch Vorlesungen in Philosophie, Literatur, Filmgeschichte und Kunsttheorie. Unsere fachlich spezialisierten und qualifizierten Dozenten geben darüber hinaus Orientierungshilfe im Dickicht der unzähligen Studienangebote und zeichnen ein realistisches Bild der Möglichkeiten und Anforderungen im späteren Berufsalltag.
Die Akademie bietet auf über 600qm grosszügige Arbeits- und Seminarräume sowie eine optimale technische Ausstattung auf neuestem Stand.
Im Verlauf des Vorstudienjahres wird jeder Student seine Neigungen und Vorstellungen anhand seiner tatsächlich vorhandenen Resourcen und Begabungen prüfen können.
Im Feedback der Dozenten und in der kritischen Konkurrenz der Gruppe wird so die Entwicklung einer gesunden Selbsteinschätzung gefördert. Nach der „Grundausbildung“ im ersten Halbjahr werden unsere Studenten individuell und (fachlich spezialisiert) bei der Arbeit an ihrer Mappe betreut. Gegen Ende des Jahres sind sie in der Lage, sich für ein Ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten adäquates Studienfach zu entscheiden. Sie haben mit den gewonnenen Fertigkeiten und Erfahrungen, aus eigenem kreativen Potential heraus, selbstbewusst die Arbeiten für Ihre Bewerbungsmappen konzipiert und erstellt. Nach der Zulassung können sie in der Aufnahmeprüfung an der Hochschule Ihrer Wahl souverän agieren.